• Yannic Sieben

Licht bedeutet Leben.

Ein Text von Dirk Dillenberger für die Initiave Alt Eicken



Licht bedeutet Leben.


Ein Tag wie ein Geschenk, verpackt in surreale Pastelltöne, hier in Gladbach-Eicken.


Über uns ein Himmel, der waltend auf uns ausstrahlt, wie eine einzige Macht in traumblau.


Eine Sonne, wie ein Flutlicht deluxe.

Sie leuchtet hinab auf uralte Häuser, in denen Menschen warten. Sie durchflutet unsere Wege, die endlich ihren so lange verborgenen Glanz einfordern – bisweilen gar menschenverlassen.


Unsere alte und bekannte Welt – teilweise ist sie noch vorhanden.


Vorhanden, wie das Fundament dieser so beliebten Traditions-Gaststätte tief im Lebenskern von Mönchengladbach-Eicken.


Vorhanden wie die Lenker. Renner. Kämpfer.


von Borussia Mönchengladbach, fast im Entreé des "Alt-Eicken".


Netzer, Hacki und Berti.


Als es am 15. Mai 1981 darum ging, das Denkmal zu Ehren der legendären Gladbacher Fohlen feierlich einzuweihen, stand es noch einige Meter weiter weg, dort wo der dicke Beton-Ball heute zu finden ist.


Damals war die Enthüllung dieses Kupfer-Ensembles ein besonderer innerstädtischer Augenblick.


Die etwa 1,30 Meter hohen Figuren wurden in Gegenwart des leibhaftigen Hacki, des echten Berti und des damaligen Oberbürgermeisters Theodor Bolzenius sowie hunderter Gladbacher Bürger freudig empfangen. Der dritte Mann und Lenker Günter Netzer war hingegen verhindert.


Damals, als die Musik nicht nur aus den zahllosen einladenden Lokalen, sondern auch verstärkt durch eine zünftige Feuerwehrkapelle, zum Intro eines wahrhaft fröhlichen Tages werden sollte.


Lenker. Renner. Kämpfer.


Drei Teile einer Skulptur, die ihr Erschaffer, der Bildhauer Prof. Bonifatius Stirnberg bereits fünf Jahre zuvor (der Ball für das Fohlen-Trio rollte noch) fertiggestellt hatte.


An diesem Freitag duftete es einmal mehr, äußerst gladbach-like, nach Altbier und Bratkartoffeln, Würstchen, Old-Spice und Pfeifentabak.


Eine losgelöste, freudige Grundstimmung.


Ein Stifter fand sich auch. Es handelte sich um die örtliche Sparkasse, welche rund 50.000 Deutsche Mark investierte, um das angekündigte "Denkmal zum Spielen" an die Jugend der Stadt zu übergeben.


Ein "Denkmal zum Spielen" spannend weil variabel in seinen Bewegungen, denn die Gelenke der Kupfer-Borussen, auf einen halbierten Globus montiert, waren Hände, Arme, Beine zum Berühren.


Borussen zum Anfassen.


Ein sensationeller Gag für jene Besucher des Festaktes, die immer schon auf Tuchfühlung mit ihren sportlichen Vorbildern gehen wollten.


Auch wenn der wirkliche Hacki gleich nebenan stand und ein wenig gerührt wirkte – angerührt haben die Besucher an diesem Tage, wohl insbesondere aus Gründen spürbarer Hochachtung, häufiger dessen Double.


In diesem uralten Gladbacher Stadtteil waren Zuversicht, Hoffnung und Lebensfreude so nah wie der Bökelberg. Mit bloßem Auge sichtbar, wie alle vier Flutlichtmaste des altehrwürdigen Fußball-Platzes.


Rege Betriebsamkeit und unzählige kleine Kneipen in unseren Straßen. Hier, wo das Leben noch lichtdurchflutet ist.


Zwischendurch brettert mal wieder dieser alte Opel Ascona in grell-orange am Aretzplätzcken vorbei.


In the air tonight.


Phil Collins sorgt für den Schwung des Fahrers, der mit wildgelockter Mähne und angesagtem Oberlippenbart auf Macker macht. Eine, mit Edding und viel Gefühl angedeutete Raute neben dem Kennzeichen D, zeugt davon, dass er zum gleichen Verein gehört wie alle anderen Passanten.


Die historischen Pinten präsentieren ein anderes Repertoire. Laut und leise wechseln sich hier ab und das Gemurmel der Schaulustigen übertönt auf seinem Höhepunkt sogar die handgemachten Klänge der musizierenden Fire-Fighter in der Fußgängerzone.


Ja, mittlerweile ist der Freitag-Mittag angebrochen und dort, wo Berti und Hacki Postkarten ihrer Abbilder aus Kupfer für ihre Fans signieren, schlendern die alten Eickener mit Einkaufskörben oder diesen, wie selbstgestrickt wirkenden, Einkaufsnetzen in Richtung der Bäckereien, in denen noch gebacken wurde, und jener Metzgereien, die diesen markanten Räucher-Duft als Marketing-Instrument schlechthin verwendeten.


Der Postbote gönnt sich ein Frischgezapftes, ausgestattet mit dem sehnsüchtigsten Blick, den ein Fan-Boy auf seine alten Idole nur richten kann. Auch er erhält seine Autogramme.


Ja, es ist Freitag und in Gladbach erwartet man ein buntes, ein vitales Wochenende.

Hier sind die Geschäfte und die Kneipen offen, wie das Haar der Gladbacher Mädchen, von denen manche wie Mireille Matthieu singen und gleichzeitig wie beliebte TV-Ansagerinnen aussehen.


Immer dann, wenn sie sich auf ein weiteres Wochenende freuen.


Immer dann, wenn das Licht und das Leben auf sie wartet. Erst im alten Eicken und später dann zum Schwoofen in Gladbachs Altstadt.


Hier sind die Menschen offen wie immer... an den Wochenenden.


Offen wie immer, war gestern.


Und erst gestern, so wirkt es, polterten im "Alt-Eicken" Trinksprüche, Begrüßungen und manche Folklore.


Erst gestern, ja so wirkt es, wirbelte die beliebte Eickenerin Waltraud Walli Hamraths, fleißig und forsch durch den festlich dekorierten Saal, in welchem so viel Tradition geboren und so viel Mythos Gehör fand.


Sie war mehr als eine Kellnerin. Sie war ein Kind ihrer Stadt und eine gebürtige Borussin.


Sie war eine Fachkraft der Freude und eine pflichtbewusste Seele des Hauses... des Ortes, den sie so sehr liebte.


Jubel, Trubel, Heiterkeit und Borussia.


Sie "konnte et juut" mit dem damaligen Gastwirt Willi Dabeck.


Erwähnenswert?


Ja, denn früher hießen Hipster noch Querköpfe und hier im "Alt Eicken" trafen zwei von ihnen und oft viele weitere aufeinander.


Früher bedeutete Selbstoptimierung einfach nur "et bäste zu jääve".


Früher war es einfacher bei sich zu bleiben, seinem inneren Zuhause treu zu bleiben.


Früher, da fanden im "Alt Eicken" viele Versammlungen der Borussia und etliche Treffen unter Borussen statt.


Mitten in Eicken, dem Geburtsort von Borussia Mönchengladbach.


Unvergessene Besuche vieler Borussen wie Helmut Grashoff und dessen Vorstandskollegen, launige Abende mit dem leibhaftigen Berti und einem stets humorvollen Meistertorhüter Wolfgang Kleff werden auch heute wieder zur Tagesaktualität, sobald wir unseren Erinnerungen genügend Raum schenken.


Manolo, der legendäre Trommler vom Bökelberg, kehrte gerne und oft ein, um sich an der Theke mit einem Alt im Pöttchen zu erfrischen und die Borussen an den Nebentischen durch überraschendes Einsetzen seines unvergleichlichen „Bamm-Bamm Bamm-Bamm-Bamm!“ erst zu verschrecken und dann zu erheitern.


Über 121 Jahre hinweg haben das "Alt Eicken", seine Gäste und der Ortskern einander belebt.


Noch heute scheint alles bereitet, für ein baldiges Willkommen und offene Tore, für alte und neue Besucher, für die Hoffnung auf Besserung. Trügerisch solide liegt es darnieder.


Das "Alt Eicken" hat traditionsreiche Gladbacher Karnevalsgesellschaften und Vereine im Normalfall ebenso begrüßt, wie die Schiedsrichter der Region und so vielfältige Bürger samt ihrer respektablen Eigenheiten. Das pure Leben.


Lenker, Renner, Kämpfer verweilen nicht nur in Kupfer gegossen vor diesem besonderen Gladbacher Gasthaus. Sie wirken nach.


Licht bedeutet Leben, auch dann wenn es von außen hineinfällt in die kleinen urigen Glasscheiben Gladbacher Gasthäuser, die dann wie Kirchenfenster in Miniatur wirken.


Ein neuer Hoffnungsschimmer leuchtet auf, wenn uns alte Geschichten dahingehend inspirieren, dass wir unsere neuen Stories umso brachialer gestalten und zelebrieren wollen.


Ein neuer Hoffnungsschimmer baut auf, wenn deutlich wird, dass nach jedem Kraftakt ein Freudenfest folgt. Hoffentlich bald.


Wir sind immer dann reich an Glauben, wenn uns Kraft, Elan und Antrieb zu verlassen scheinen.


Wenn Liebe bereits bei uns ist und uns Glaube (sucht Euch einen aus) und Hoffnung bereichern, dann erstarken wir.


Und wenn wir kommunizieren, dass wir einander brauchen und bedingen, dann wird aus Geben und Nehmen ein Miteinander voller Kraft, beständiger als je zuvor.


Lenker, Renner, Kämpfer verharren nicht nur in Kupfer gegossen vor diesem besonderen Gasthaus. Wir finden sie in unseren Krankenhäusern, Polizei-Dienststellen, an den Kassen und in den Warenlagern unserer Supermärkte, in den Chefetagen jener Unternehmen, die ihre Mitarbeiter verteidigen, als seien es Geschwister.


Wir finden sie, wenn sie Linienbusse durch die Ungewissheit unserer Zeit steuern, wenn sie Post und Pakete heldenhaft aushändigen, oder wenn sie als Erzieherinnen an ihre Kids denken.


Wir finden sie, wenn wir an unsere "Alten" denken, die durch ein junges Herz inspiriert, sogar virtuell mit ihren Lieben kommunizieren und weiterhin lernen, lernen, lernen.


Wir finden sie, wenn wir an Menschen denken, die uns aufbauen, indem sie an Halt und Hoffnung erinnern. Wir finden sie, in den Augen zahlloser Mitbürger, die ihren Traum niemals loslassen.


Licht bedeutet Leben.


Jetzt erst recht!


Und über uns...


Ein Himmel in traumblau und eine Sonne wie ein Flutlicht deluxe.


Lasst uns Lenker, Renner, Kämpfer sein, indem wir uns Hand in Hand für den Charme und den Wert unserer Häuser, Straßen und somit für unsere Mitmenschen engagieren.


Lasst uns kreativ und smart für diesen bedeutenden Ort einstehen, der Menschen vitalisiert, sobald wir ihn endlich aufwecken!




Der Mönchengladbacher Autor Dirk Dillenberger („Manolo, wir hören Dich!“) und Blogger (FOHLENKULTUR) wurde im Jahre 1979 in Sichtweite des Geburtshauses von Günter Netzer in der

Gladbacher Altstadt geboren. Seit frühester Kindheit begleitet er seine Heimatstadt und insbesondere „Borussia Mönchengladbach und ihre Menschen“ auf emotionale und tiefgründige Weise. Das neue Werk des „Stadionpoeten“ erscheint Anfang 2022.



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